Kann CBD bei Depressionen und Psychischen Erkrankungen helfen?

Am von Hubert Hausmann

Kann CBD bei Depressionen und Psychischen Erkrankungen helfen?

Gerade im Winter sind Menschen besonders anfällig für Depressionen oder depressive Verstimmungen – aufgrund des Lichtmangels kommt es zu Vitaminmangel welcher wiederum negative Auswirkungen auf unser Stimmungsbild nimmt. Grund genug den Themenkomplex der psychischen Erkrankungen einer etwas eingehenderen Betrachtung zu unterziehen: Neben Depressionen möchten wir uns in diesem Blogartikel auch Panikattacken (vgl. Demel 2012), wobei bis 22% der Menschen zumindest einmal in ihrem Leben eine solche erleiden, und Traumata widmen. So möchten wir einerseits diese Krankheitsbilder betreffend aufklären, andererseits uns aber auch damit beschäftigen, wie CBD bei psychischen Erkrankungen angewandt werden kann und inwiefern es helfen kann.

 

Am Ende des Artikels findet sich wie immer eine Kompaktzusammenfassung.

 

Depression

„Eine Depression ist eine weit verbreitete psychische Störung, die durch Traurigkeit, Interesselosigkeit und Verlust an Genussfähigkeit, Schuldgefühle und geringes Selbstwertgefühl, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Konzentrationsschwächen gekennzeichnet sein kann“ (WHO 2018).

 

So definiert die Weltgesundheitsorganisation die Depression, doch Fakt ist, dass zwischen kurzzeitigen Verstimmungen und langandauernden depressiven Phasen zu unterscheiden ist. Es ist ganz natürlich in unterschiedlichen Situationen des Alltags einen Zustand des Niedergeschlagenseins zu verspüren. Verstimmungen und Trauer sind ganz normale Reaktionen der Psyche auf bestimmte negative Ereignisse. Sobald der Schmerz nachlässt, hellt sich die Stimmung nach einer gewissen Zeit wieder auf. Diese vorübergehenden Stimmungstiefs müssen von der Depression im medizinischen Sinn unterschieden werden.

Bei einer Depression muss nicht zwingend ein äußerer Grund vorhanden sein. Die Krankheit kann sowohl für Kranke als auch für Angehörige und Freunde unerklärlich sein. Fakt ist, dass eine Depression nicht auf eine einzelne Ursache zurückzuführen ist. Es sind meist verschiedene Faktoren beteiligt, die im Zusammenspiel eine Depression hervorrufen können. Es spielen sowohl innere als auch äußere Umstände eine Rolle, die einen Menschen an einer Depression erkranken lassen (vgl. Thalhammer 2015).

 

Beispielsweise können körperliche Erkrankungen, wie eine Schilddrüsenfunktion, bestimmte Medikamente oder genetische Faktoren depressive Symptome hervorrufen. Auch äußere Faktoren, wie die Jahreszeit können Einfluss auf die Psyche nehmen. Beispielsweise kann ein Mangel an Tageslicht eine sogenannte Herbst- oder Winterdepression auslösen (vgl. ebd.). Auch wenn die Depression eine ernst zu nehmende Erkrankung ist, so gibt es für Betroffene zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten und Therapieansätze, die PatientInnen den Weg aus der Depression erleichtern können. Der Beginn einer entsprechenden Psychotherapie ist meistens ein wichtiger erster Schritt für den Heilungsprozess.

 

Folgende Symptome können charakteristisch bei einer Depression sein:

 

  • Gedrückte Stimmungslage, Interessens- und Freudlosigkeit

  • Antriebslosigkeit und Mangel an Tatendrang

  • Niedergeschlagenheit (oft ohne Grund)

  • Angst- und Hoffnungslosigkeit

  • Gefühlslosigkeit oder Leere

  • Ängstlichkeit, Anspannung

  • Panikattacken

  • Schuldgefühle

  • Konzentrationsschwäche

  • Suizidgedanken

  • Schlafstörungen

  • Appetitminderung

  • Psychosomatische Beschwerden (Kopfschmerzen, Chronische Schmerzen, Durchfall etc.)

Panikattacken:

 

Panikattacken können im Zuge einer Depression vermehrt vorkommen. Aber auch unabhängig von depressiven Episoden können sie auftauchen. Sie kommen meist plötzlich, unerwartet und verschwinden meistens nach einigen Minuten ganz von selbst. Viele Betroffene können sich das Aufkommen der Panik nicht erklären, wodurch Angst vor einer erneuten Attacke entstehen kann. Daher entwickeln Betroffene oft eine „Angst vor der Angst“ und befürchten an einer gefährlichen Krankheit zu leiden (vgl. Demel 2012)

Meist beginnt eine lange Reise von Arzt zu Arzt, das sogenannte „Doctor Shopping“ kann sich manifestieren. Erst wenn PatientInnen mit Panikstörung akzeptieren, dass es sich um eine psychische Erkrankung handelt und in Therapie gehen, können sie langsam erkennen was das Auftauchen der Panik begünstigt. Sie lernen ihren Körper und Geist schrittweise besser kennen.

Typische Symptome von Panikattacken sind meist psychosomatischer Natur: Zittern, Herzrasen, Atemnot, Derealisation (Gefühl von unrealer Umgebung), Depersonalisation (Gefühl nicht man selbst zu sein), Todesangst, Angst vor Kontrollverlust etc. (vgl. Demel 2012: o. A.).

 

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS):

 

Hierbei handelt es sich um eine psychische Folgereaktion auf ein oder mehrere traumatische Ereignisse, die das Leben der eigenen oder anderen Person bedrohen (vgl. Unterberger 2017).

Die posttraumatische Belastungsstörung tritt oft bei Opfern von Gewaltverbrechen oder Katastrophen auf. Die Symptome entwickeln sich meistens nicht sofort, sondern innerhalb eines halben Jahres nach dem traumatischen Vorfall. Allerdings können sich von Beginn Symptome eines Schocks bemerkbar machen, indem man das Gefühl des „Neben sich Stehens“ und der Hilflosigkeit verspürt. Typisch sind später sogenannte „Flashbacks“ – das wiederholte Erleben des Traumas durch plötzliche Erinnerungen oder in Träumen oder das Verdrängen des Erlebten (vgl. ebd.). Auch Schlafstörungen, Reizbarkeit, Teilnahmslosigkeit, übermäßige Schreckhaftigkeit, emotionales Abstumpfen etc. zählen zu den Symptomen einer PTBS.

In erster Linie besteht die Behandlung in Form einer traumabezogenen Psychotherapie, falls erforderlich auch mit Unterstützung von Medikamenten. Die Betreuung soll Betroffenen helfen, Kontrolle über ihre Erinnerungen an das Trauma zu erlangen, Begleitsymptome wie Depression und Angst abzubauen (vgl. ebd.).

 

CBD gegen psychische Erkrankungen – Kann das wirklich helfen?

 

Das Cannabidiol (CBD) ist ein nicht-psychoaktiver und legaler Bestandteil aus der Hanfpflanze, der zahlreiche positive Eigenschaften aufweist: Er soll angstlösende, neuroprotektive, antipsychotische, krampflösende Wirkungen haben und Übelkeit und Entzündungen hemmen (vgl. Lottersberger 2017).

Aus diesem Grund wird CBD mittlerweile unterstützend bei psychischen Beschwerden eingesetzt. Schon in den 1980er Jahren stellte eine brasilianische Arbeitsgruppe fest, dass die Verabreichung von 40mg oralen CBD die Herzfrequenz stabilisierte. Heute weiß man, dass CBD den Cannabinoid-1-Rezeptor im Gehirn blockiert, was zu zahlreichen positiven Effekten führt, wie zum Beispiel zu einer Beruhigung des Gemütszustandes (vgl. Grotenhermen 2015).

Im Jahr 1995 führte dieselbe Forschungsgruppe Studien mit CBD durch. Diesmal machten sie positive Erfahrungen in Bezug auf Psychosen. Bei einer Einnahme von 1500mg CBD täglich nahmen die Psychosen bei einer psychotischen Patientin deutlich ab. Später wurde bei einer Studie an der Universität Köln eine antipsychotische Wirkung bei einer täglichen Einnahme von 800mg beobachtet (vgl. Grotenhermen 2015).

Auch ForscherInnen von Kantabrien (Spanien) stellten in zwei Studien fest, dass CBD ein schnell wirkendes Medikament bei der Anwendung gegen Depressionen sein könnte. Das CBD reagiert nämlich auf Signalwege der Hirnrinde, die auf Serotonin reagiert und den 5-HT1A-Rezeptor verstärkt (vgl. ebd.).

In einer Studie in Israel wurde ebenfalls festgestellt, dass CBD antidepressive Eigenschaften aufweist. Die Autoren schrieben, dass die antidepressiven Wirkungen von CBD zum ersten in einem genetischen Tiermodell der Depression gezeigt wurden. Diese Ergebnisse legen nahe, dass CBD nützlich bei der Behandlung einer klinischen Depression oder anderen Zuständen mit deutlicher Anhedonie sein könnte. CBD hat sowohl im Tierversuch als auch beim Menschen angstlösende Wirkungen gezeigt (vgl. ebd.).

In einer weiteren Studie wurden die Probanden gebeten, vor einer Videokamera eine Rede zu halten. Dieser Versuchsaufbau erhöht die Angst der Probanden und lässt sich durch angstlösende Substanzen beeinflussen. CBD in einer Dosis von 300 mg wurde mit den angstlösenden Substanzen Ipsapiron (5mg) und Diazepam (10mg) verglichen. Die Ergebnisse zeigten sowohl CBD als auch die beiden anderen Substanzen die Angst reduzierten, die durch den Versuchsaufbau ausgelöst wurde.

In einem weiteren Experiment mit 48 gesunden Teilnehmern zeigte CBD bereits in einer geringen Dosierung von 32 mg Eigenschaften, die auf einen möglichen Nutzen bei Angststörungen schließen lassen. Die TeilnehmerInnen wurden einem sogenannten Angstkonditionierungstest unterzogen. Dabei wurden bestimmte neutrale Reize, wie beispielsweise das Erklingen eines Tones, mit einem Reiz verbunden, der Angst auslöst. Die TeilnehmerInnen wurden so ‚konditioniert‘‘ (Grotenhermen 2015) dass der eigentlich neutrale Ton mit Angst verbunden wurde. In der Traumatherapie geht es unter anderem darum, solche neutralen Reize von dem Trauma zu trennen. Man spricht dabei von ,,Extinktionslernen‘‘ (Grotenhermen 2015). Die PatientInnen lernen, die Verbindung zwischen den beiden Reizen auszulöschen. In diesem Experiment mit den gesunden Teilnehmern förderte CBD die Nachhaltigkeit der Extinktion, könnte also hilfreich bei der Behandlung von Angststörungen sein.

Die Probanden erhielten 32 mg CBD entweder vor oder nach der Extinktion. Bei der Extinktion selbst wurde keine akute Wirkung des CBD festgestellt. Die CBD-Gabe nach der Extinktion verstärkte im Vergleich zu einem Placebo, einem Scheinpräparat ohne Wirkstoff, jedoch die Dauerhaftigkeit des Extinktionslernens (vgl. ebd.).

WissenschaftlerInnen der Universität São Paulo (Brasilien) untersuchten die Wirkung von CBD auf PatientInnen mit generalisierter sozialer Angststörung in einem Test, bei dem das Sprechen in einer öffentlichen Situation simuliert wurde (vgl. Bergamaschi et al. 2011). Drei Gruppen wurden verglichen: 12 gesunde Probanden als Kontrollgruppe ohne Medikation; 12 PatientInnen mit einer Angststörung, die eine Einzeldosis CBD (600mg) erhielten und 12 PatientInnen die ein Placebo erhielten. Die vorherige Behandlung mit CBD verringerte signifikant Angst, geistige Einschränkungen und das Unbehagen während der Rede bei diesen PatientInnen. CBD reduzierte auch die seelische Anspannung vor der Rede (vgl. ebd.).

 

Kompaktzusammenfassung:

 

  • Depressionen können unterschiedliche (körperliche wie psychische) Ursachen haben wie auch in unterschiedlicher Intensität auftreten; gemeinsam ist allen Fällen, dass Betroffene einen Zustand der Hoffnungs- und Antriebslosigkeit verspüren welche in gedrückter Stimmung resultiert.

  • Panikattacken können in Kombination mit anderen psychischen Krankheiten aber auch isoliert auftreten. Sie entstehen für gewöhnlich sehr plötzlich und können auch genauso schnell wieder abklingen, das negative Gefühl bleibt bei Betroffenen aber meist als Erinnerung präsent und kann verstärkend auf Panikattacken wirken.

  • PTBS sind das Resultat eines traumatisierenden Erlebnisses, welches weitreichende Konsequenzen auf das psychische Wohlbefinden nimmt. Neben „Flashbacks“ - einem Wiederleben des Erlebten – kann eine PTBS auch zu weiteren damit verbundenen psychischen Problemen führen.

  • Hinsichtlich der Anwendung von CBD bei psychischen Erkrankungen sind vor allem zwei Wirkmechanismen zentral: Einerseits wirkt CBD beruhigend – die Gemütslage stabilisierend – andererseits weist CBD angstlösende Eigenschaften auf.

  • CBD ist bei psychischen Erkrankungen zwar kein Wundermittel, kann auf den Genesungsprozess aber positive Folgen nehmen. Für Betroffene ist meist eine Psychotherapie unerlässlich, CBD kann hier jedoch als unterstützende Substanz genutzt werden. Die Darreichungsformen reichen von Ölen über Kapseln hin zu Zäpfchen.

 

Weiterführende Literatur:

Depression (2013): Worin unterscheiden sich Verstimmung und Depression? In: http://www.depression.at/ueber-depression/depression-was-ist-das/depression-was-ist-das/ [20.10.2018]

Dr. Demel, Lisa (2012): Panikattacken (Panikstörung). In: https://www.netdoktor.at/krankheit/panikattacken-7527, [30.10.2018]

Dr.Thalhammer, Matthias (2015): Depression. In: https://www.netdoktor.at/krankheit/depression-7498, [30.10.2018]

Grotenhermen, F./ Berger, M./ Gebhardt Kathrin (2015): Canabidiol.CBD.Ein cannabishaltiges Compendium, Nachtschattenverlag AG, Solothurn

Lottersberger, Lukas (2017): Legales Gras ohne High. In: https://fm4.orf.at/stories/2856920/, [30.10.2018]

Unterberger, Tanja (2017): Posttraumatische Belastungsstörung, PTBS. In: https://www.netdoktor.at/krankheit/posttraumatische-belastungsstoerung-6921872, [30.10.2018]