Die Rechtslage zu CBD und medizinischem Cannabis in Österreich

Am von Paul Purgina

Die Rechtslage zu CBD und medizinischem Cannabis in Österreich

In diesem Blogeintrag wollen wir uns der Frage nach der rechtlichen Situation von medizinischem Marihuana und Hanf-Produkten in Österreich widmen – denn diese Frage ist nicht anhand der binären „Legal – Illegal“-Trennlinie zu beantworten, sondern spielt leider noch mit vielen Graubereichen.

Als erstes ist es notwendig eine Differenzierung zwischen THC- und CBD-Produkten vorzunehmen.

Produkte mit einem THC-Gehalt über 0,3% sind in Österreich grundsätzlich illegal. In Deutschland sogar über 0,2%. Die einzige medizinische Ausnahme stellt das Präparat Dronabinol (SATIVEX) dar, welches in Apotheken erhältlich ist. Die Verschreibung ist für gewöhnlich nur bei schwerwiegenden Krankheiten üblich.

Daneben gibt es CBD-Produkte, welche grundsätzlich legal sind, jedoch nicht als Medikamente zugelassen sind. Dies betrifft die meisten Produkte am Markt. Da CBD jedoch auch verschreibungsfähig ist (was nicht bedeutet, dass CBD nur auf Rezept erhältlich ist, der Arzt kann es jedoch grundsätzlich auch verschreiben), gibt es CBD-Produkte auch in einigen Apotheken. Im Grunde handelt es sich dabei um die selben Produkte, die auch im freien Handel erhältlich sind: Öle und Extrakte. Manchmal auch Hanfblüten.
Der größte Unterschied des freien Handels liegt im Beratungsverbot: Da die Produkte nicht als Medikament zugelassen sind, werden sie meist als Aromaprodukte oder unter ähnlichen Bezeichnungen geführt. Damit einher geht auch die Verpflichtung keinerlei medizinische Angaben oder Versprechungen zu machen, da das in den Produkten enthaltene CBD keine Verbindung mit dem Verkaufszweck als Aromaprodukt aufweist.
Aus diesem Grund ist das Gespräch mit einem Arzt oder zumindest zusätzliche Eigenrecherche kein Fehler möchte man die heilenden Wirkungen von CBD auskosten. Dies ist auch deswegen wichtig, da man als KonsumentIn rechtlich betrachtet in Eigenverantwortung handelt und das Produkt zweckentfremdet - deklariert ist es ja als Aromaprodukt. Insofern sollte man sich dieser Eigenverantwortung auch bewusst sein und sich wirklich informieren.
Im Moment lässt sich sagen, dass CBD-Produkte primär über den freien Handel bezogen werden können, die ein oder andere Apotheke hat zwar bereits das Potential erkannt und ihr Sortiment erweitert, flächendeckend ist das Angebot jedoch eher noch mau. Da es sich grundsätzlich um die selben Produkte handelt ist dies Qualitativ kein Problem für die KundIn, lediglich die Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung werden dadurch eingeschränkt.

CBD als Nahrungsergänzungsmittel?

Ein weiterer zu betrachtender rechtlicher Aspekt ist derjenige, dass zunehmend mehr Anbieter ihre CBD-Produkte nicht mehr als „Aromaprodukte“ sondern als „Nahrungsergänzungsmittel“ verkaufen. Da die Zulassung als Nahrungsergänzungsmittel eine kostspielige ist, ist der Unterschied zwischen Aromaprodukten und Nahrungsergänzungsmittel oft nur der finanzielle Spielraum der dahinter stehenden Firma, hinsichtlich der Produktqualität ist das Kriterium der CBDa- und CBD-Anteil. Der Vorteil an CBD-Nahrungsergänzungsmitteln ist jedoch, dass die Anbieter eine Dosierungsempfehlung auf der Verpackung platzieren können. Auch wenn hier von Seiten der Anbieter versucht wird, eine sich möglichst an der medizinischen Vernunft orientierende Empfehlung anzubieten, handelt es sich auch hierbei um keine medizinische Dosierungsanleitung.

Gibt es weitere medizinisch nutzbare Cannabinoide?

Im Moment dominieren in der öffentlichen Wahrnehmung noch THC und CBD, doch es ist keineswegs ausgeschlossen, dass sich die Frage nach einer rechtlichen Regelung auch bei anderen Cannabinoiden mit medizinischer Wirkung stellen wird: Cannabigerol (CBG) und Cannabichromen (CBC), um 2 Beispiele zu nennen, vielleicht wird auch Cannabinol (CBN) in Zukunft relevant.
Sollte sich am derzeitigen rechtlichen Status Quo nichts ändern, ist es am realistischsten dass diese Cannabinoide ähnlich wie CBD geregelt werden: Da zum derzeitigen Zeitpunkt THC der einzige illegale Bestandteil der Hanfpflanze ist, wären andere Cannabinoide grundsätzlich legal.
CBN wäre hier jedoch ein interessanter Sonderfall, da es zwar nicht psychoaktiv wirkt, aber durch Decarboxylierung von THC entsteht und damit untrennbar mit diesem verbunden ist. Dies wird möglicherweise dem ein oder anderen Juristen noch Kopfzerbrechen bereiten.

Zukunftsperspektiven von medizinischem Cannabis

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Zukunft von medizinischem Cannabis noch ungewiss ist: Eine weitere Liberalisierung ist ebenso denkbar wie striktere Regulierung. Auch wenn die medizinische Nutzung von Marihuana von breiten Teilen der Bevölkerung befürwortet wird (siehe: <a href="https://derstandard.at/2000064808062/Mehrheit-der-Oesterreicher-fuer-Hanflegalisierung-aber-nur-als-Arznei">Mehrheit der Österreicher für Hanflegalisierung als Arznei</a>) wird parallel dazu die Reglementierung des Verkaufs für Apotheken ebenfalls gutgeheißen.

Dies ist grundsätzlich aus der Perspektive des Patientenschutzes allzu verständlich, jedoch möchten wir die Frage in den Raum stellen, ob es sich bei Apotheken tatsächlich um die geeignetesten Verkaufsstellen für medizinisches Cannabis handelt und einen Gegenentwurf skizzieren:

Wie wir bereits im Blogeintrag zum Endocannabinoidsystem gesehen haben, sind die Wirkmechanismen von Cannabinoiden hochkomplex. Das Resultat für medizinisches Cannabis ist eine große Produktpalette. Dies beginnt mit einer Differenzierung nach Konzentrationsgehalt: 5%iges CBD-Öl eignet sich für andere Therapieformen als 25%iges CBD-Öl. Daneben ist es auch ein Unterschied, ob das Produkt auf die Haut aufgetragen oder oral aufgenommen wird. Der nächste Schritt ist die Differenzierung in unterschiedliche Cannabinoide und für jedes Cannabinoid eigene Produktpaletten. Daneben können Cannabinoide auch gegenseitige erwünschte Wechselwirkungen auslösen, weswegen es denkbar ist, dass auf lange Sicht auch Produkte mit Cannabinoid-Kombinationen erhältlich sein werden.
Wir glauben, dass dies für Apotheken einen zu großen logistischen Aufwand darstellt, da medizinisches Cannabis für eine Apotheke nur eine von vielen Therapiemethoden darstellt aber ungleich mehr Ressourcen benötigen würde.

Medizinische Cannabis-Apotheken als Alternative

Aus diesem Grund hielten wir es für klug, bei zukünftigen rechtlichen Regelungen die Idee eines medizinischen Hanffachgeschäftes in Betracht zu ziehen. Wie das Beispiel der USA zeigt, stellt die Zusammenarbeit mit MedizinerInnen kein Problem dar, gleichzeitig wäre es durch eine solche rechtliche Regelung auch möglich, PatientInnen ausreichend und gründlich zu informieren. So könnte die Ausübung des Gewerbes an bestimmte Qualifikationen (beispielsweise ein abgeschlossenes Fachstudium, unter Umständen auch eine Fachausbildung) gebunden sein und bereits im Vornhinein eine besonders enge Verzahnung von Handel und Wissenschaft erreicht werden.

Hierfür liegt aber noch ein weiter Weg vor uns. Für den Anfang muss das Ziel sein, die medizinische Wirkung weiterer Cannabinoide wissenschaftlich zu untersuchen, ersten Studien zufolge könnten CBC und CBG ebenfalls wirkmächtige medizinische Cannabinoide sein. Erst wenn dies der Fall ist und wir über weitreichenderes Wissen hinsichtlich der Cannabinoid-Therapie verfügen, kann medizinisches Cannabis auch breitenwirksam in der Medizin ankommen.

Eines sollte jedoch klar sein: Eine rechtliche Beschneidung der medizinischen Cannabis-Nutzung wäre wissenschaftspolitischer Irrsinn und würde die therapeutischen Realitäten der Cannabisblüte abseits von THC vollkommen ignorieren. Ob medizinisches Marihuana das erhoffte Wundermedikament des 21. Jahrhunderts wird, steht allerdings auch noch in den Sternen, daher ist es notwendig sich bei der Liberalisierung streng am wissenschaftlichen state of the art zu orientieren. Und dieser legt nahe, dass Hanf und Cannabis definitiv einen genaueren Blick und eine gründlichere Untersuchung wert sind.

Die derzeitige rechtliche Regelung ist zwar nichts halbes und nicht ganzes, gerade dies bietet aber auch die Möglichkeit, sich die Entwicklung der Branche genauestens anzusehen, um dann eine adäquate politische Lösung zu finden. Zum jetztigen Zeitpunkt halten wir den Status Quo im großen und ganzen für ausreichend: Da CBD grundsätzlich harmlos ist, besteht hier keine nennenswerte Gefahr der gesundheitlichen Schädigung. Es eignet sich daher hervorragend als Testfeld für die medizinische Cannabisnutzung.

Letztlich sollte - HändlerInnen wie KundInnen gleichermaßen – bewusst sein, sich hier in einer Pionierrolle zu befinden und diese mit der gegebenen Verantwortung auch auszuüben.

CBD-Blüten in Deutschland

Die Debatte rund um die Grauzone von CBD - Aromablüten in unserem Nachbarland Deutschland ist nach wie vor keine einfache. Zeitgleich gewinnt die weltweite Cannabis-Bewegung an Befürwortern und es zeichnet sich ab dass eine Legalisierung bzw. Entkriminalisierung nicht so aussehen wird, wie es sich der unermüdlich kämpfende Aktivist in den letzten 30 Jahren vorgestellt hätte. Große Konzerne werden den Markt beherschen und die Anteile werden scheinbar unaufhaltsam LAnd für Land aufgeteilt. So sieht die wirtschaftliche Realität aus und denoch verbindet uns der gemeinsame Geist des Hanfes länderübergreifend auf eine spezielle Art und Weise.