CBD bei Epilepsie und Krampfanfällen

Am von Hubert Hausmann

CBD bei Epilepsie und Krampfanfällen

 

Der folgende Text dient ausschließlich Informationszwecken, er ist keine medizinische Beratung und ersetzt kein ärztliches Gespräch.

 

Der Einsatz von Cannabis bei Epilepsie und die weitere Erforschung der möglichen medizinisch nutzbaren Wirkungen von Cannabisbestandteilen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vor allem auf THC konzentriert, in den letzten Jahren ist jedoch das Interesse an anderen Cannabinoiden und dabei vor allem an Cannabidiol (CBD) gestiegen.

 

Wer nicht den gesamten Text lesen möchte – ganz am Textende findet sich ein „CBD bei Epilepsie FAQ" in dem wir die wichtigsten hier besprochenen Punkte kompakt zusammenfassen.

 

 

So wirkt CBD bei Epilepsie und Krampfanfällen 

CBD besitzt antiepilepitische und neuroprotektive Eigenschaften. Das konnte durch zahlreiche Tierversuche, klinische Studien und Fallberichte festgestellt werden. Aus diesem Grund werden vermehrt CBD und CBD-Extrakte in den USA und Deutschland eingesetzt. Vor allem bei genetisch bedingten Epilepsieformen bei Kindern, wie dem Dravet-Syndrom, dem Lennox-Gastaud-Syndrom und dem Angelman-Syndrom wirkt CBD erfolgversprechend. Doch wie ist das möglich? Laut dem Forscher Patel (2016) könnte ein Wirkungsmechanismus von CBD bei Epilepsie auf eine Wiederherstellung des Natrium-Flusses durch Wirkungen auf spannungsaktivierende Natriumkanäle beruhen. So wurde bereits vor 35 Jahren eine klinische Studie durchgeführt, bei der acht gesunde Freiwillige 30 Tage lang 3mg CBD pro Körpergewicht erhielten. Parallel dazu nahmen acht Probanden Placebos in Form von Glukose-Kapseln ein. Es wurden dann bei beiden Testgruppen regelmäßig neurologische und körperliche Untersuchungen, wie Blut-und Urinanalysen, EKG und EEG durchgeführt.  In der zweiten Phase der Studie wurden 15 Patienten mit sekundär generalisierter Epilepsie mit Fokus im Temporallappen im Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt:

 

Jeder Patient erhielt täglich 200 bis 300mg CBD oder ein Placebo für 4,5 Monate. Zusätzlich nahmen sie weiterhin ihre Antiepileptika ein, die allerdings ihre Krampfanfälle nicht mehr kontrollierten. Es zeigte sich, dass alle Patienten und freiwilligen Probanden das CBD sehr gut tolerierten Vier von acht Patienten bleiben während dem Versuch nahezu frei von Krampfanfällen und weitere drei zeigten deutliche Verbesserungen ihres klinischen Zustands. Nur bei einem Patienten blieb die Einnahme des CBDs unwirksam (vgl. Dr. Franjo Grothemhermen et. al 2015).

 

Auch eine Umfrage aus den USA besagt, dass von 117 an Epilepsie erkrankten Kindern, über 85% eine Reduzierung der Krampfanfallshäufigkeit aufwiesen. So wurde diesbezüglich eine Online-Umfrage von Seiten von ForscherInnen aus Los Angeles gestartet. Es wurden Eltern von epilepsiekranken Kindern befragt, welche ihren Kindern CBD-reiche Cannabiszubereitungen verabreicht hatten. Das Ergebnis zeigte, dass das CBD als „hoch therapierefraktär“ (Dr. Grothenhermen 2015) charakterisiert wurde. Außerdem berichteten über 53% von einem verbesserten Schlaf, einer besseren Wachheit und Stimmung.

CBD Öl bei Epilepsie wird gerne verwendet, ein besonderer hoher Reinheitsgehalt durch Zertifizierte Produkte muss gegeben sein. Auch Kapseln , Pasten und Extrakte führen zum gewünschten Behandlungserfolg.

 

 Der Fall Charlotte aus den USA

Damals, als die Nachricht bekannt wurde, war Charlotte Figi 6 Jahre alt und litt unter mehr als 300 wirklich schlimmen Anfällen pro Woche. Bei der Geburt schien sie ein gesundes Kind zu sein, aber nach nur 3 Monaten veränderte sich dies grundlegend. Sie hatte ihren ersten epileptischen Anfall, der 30 Minuten lang dauerte.

 

Bei Charlotte Figi  wurde im Alter von zwei Jahren das Dravet Syndrom diagnostiziert. Nachdem sich ihr Zustand stetig verschlechterte und übliche Antiepileptika wirkungslos blieben, erwarben die Figis in einem Geschäft für medizinisches Marihuana eine Cannabissorte mit hohem CBD- und niedrigem THC-Gehalt und verabreichten Charlotte ein daraus gewonnenes Öl, was zu einer Besserung der Symptomatik führte. In der Folge begann Charlotte im Frühjahr 2012 mit der Einnahme des von den Stanley-Brüdern bezogenen Realm Oils, das ihr in Form einer Olivenöl-Lösung unterhalb der Zunge verabreicht oder dem Essen beigemischt wurde. Ihre Anfälle konnten durch diese Behandlung von fast 50 Krämpfen pro Tag auf zwei bis drei nächtliche Konvulsionen im Monat reduziert werden. 

 

Laut Tzadok (2016) wurde auch in einer israelischen Studie festgestellt, dass der Effekt von CBD eine positive Wirkung auf die Anfallsschwere der PatientInnen hatte. Es darf nicht außer Acht gelassen werden, dass diese Probanden auf die herkömmliche Standardmedizin bei Epilepsie resistent waren. Dennoch verringerten sich die Anfälle bei 89% der erkrankten Kinder. Bei 13 TeilnehmerInnen sank die Anfallsrate bis zu 100%. Zusätzlich beobachteten die ForscherInnen eine Verbesserung von Verhalten, Wachheit, Sprache, Kommunikation, motorischen Fähigkeiten und Schlaf.

 

Bei der Jahrestagung der akademischen Akademie für Neurologie im April 2015 wurden weitere Daten über Erfahrungen mit CBD bei Kindern mit Epilepsie vorgestellt, diesmal von 137 Kindern und jungen Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von elf Jahren. Sie bekamen den CBD-Extrakt in Krankenhäusern für mindestens zwölf Wochen. Die meisten TeilnehmerInnen litten am Dravet-Syndrom, Lennox-Gastaud-Syndrom und an weiteren schweren Epilepsieformen, welche teilweise sehr selten sind. Nach nur vier Wochen war bei 41% der TeilnehmerInnen die Zahl der Anfälle um 58% oder sogar mehr reduziert worden. Nach zwölf Wochen lag dieser Anteil bei 51%. Das bedeutet, dass fast die Hälfte der Probanden eine deutliche Reduzierung der Anfallshäufigkeit erlebte. 9% der Kinder wurde sogar anfallsfrei.

 

Seit 2015 begannen in den USA zahlreiche weitere Studien, die beim 69. Jährlichen Kongress der amerikanischen Epilepsie-Gesellschaft in Philadelphia vorgestellt wurden. Sie unterstrichen die Wirksamkeit und Sicherheit von CBD. Im Jahr 2016 berichtete GW Pharmaceuticals erstmals in zwei Pressemitteilungen vom 14. März und 27. Juni von der erfolgreichen Testung von CBD in Placebo-kontrollierten Phase III- Zulassungsstudien. Aus diesem Grund erklärte das Unternehmen in der ersten Pressemitteilung, dass eine Studie mit 120 PatientInnen, die am Dravet-Syndrom leiden, zeigte, dass sich die Krampfanfälle um 39% reduziert hatten.

Aus diesem Grund werden auch in Zukunft weitere Studien mit CBD durchgeführt. Viele europäische Länder und die USA verschreiben CBD daher erfolgsversprechend PatientInnen die unter Epilepsie leiden.

 

Dosierung von CBD ÖL bei Epilepsie

Die üblichen Dosen bei einer Behandlung mit CBD liegen im Allgemeinen zwischen 150 und 800 mg für Erwachene und 2 bis 25 mg pro kg Körpergewicht für Kinder. Diese Dosen werden normalerweise auf zwei Gaben verteilt, also beispielsweise morgens und abends zum Essen 2 x 250 mg. So erhielten Kinder mit Epilepsie in einer klinischen Studie mit dem CBD-Extrakt Epidiolex eine konstante Dosis von 5 mg/kg Körpergewicht zusätzlich zu ihren aktuellen Epilepsiemedikamenten. Die tägliche Dosis wurde langsam bis zum Auftreten einer Unverträglich- keit oder dem Erreichen einer maximalen Dosis von 25 mg /kg Körpergewicht gesteigert. Erfahrungen von Ärzten, die Kinder mit Epilepsie behandeln, zeigen aber, dass manchmal auch schon eine Dosis von 2 mg/kg Körpergewicht wirksam sein kann. Dies würde bei einem 25 kg schweren Kind einer Tagesdosis von 50mg entsprechen. Bei einem Bedarf von 5 mg/kg Körpergewicht entspräche dies 125 mg pro Tag. Bei einem Patienten mit Meige-Syndrom, einer seltenen Bewegungsstörung, waren 200 mg CBD wirksam (Snider e. a. 1984).

Wie die Erfahrungen mit CBD bei Kindern mit Epilepsie zeigen, ist die individuelle Ansprechbarkeit sehr variabel. Einige Kinder sprechen bereits auf geringe Dosen an, während an- dere hohe Dosen benötigen – was mit entsprechend hohen Kosten verbunden ist. Andere sprechen gar nicht auf die Therapie an.

 

Status Epilepticus

Als Status Epilepticus wird ein langanhaltender dauernder Anfall oder mehrere Anfälle in Serie bezeichnet.

In extrem schweren Fällen der Epilepsie kann ein Zustand eintreten, der als Status epilepticus bezeichnet wird. Der Status epilepticus kann bei konvulsiven oder nicht-konvulsiven Anfällen auftreten, die entweder mehr als fünf Minuten andauern, oder bei einer Häufigkeit von mehr als einem Anfall in fünf Minuten, ohne dass zwischendurch das volle Bewusstsein wiedererlangt wird.

Wenn der Patient bei Vorliegen eines Status epilepticus nicht sofort mit Medikamenten behandelt wird, kann der länger andauernde Verlust der normalen Gehirnfunktionen zu einem Hirnschaden oder sogar zum Tod führen. Ist für eine angemessene medizinische Behandlung gesorgt, überleben Epilepsie-Patienten einen Status Epilepticus-Vorfall normalerweise ohne größere Komplikationen.

Der Status epilepticus wird typischerweise mit Benzodiazepinen oder Barbituraten behandelt; beide Medikamententypen sind für ihre oft gravierenden Nebenwirkungen allgemein bekannt und durch die Bank alles andere als effektiv.

Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass Cannabinoide, insbesondere CB1-Rezeptor-Agonisten wie Anandamide, delta-9-THC und sein synthetisches Analogon WIN 55,212-2 für einen besseren Schutz gegen einen Status epilepticus sorgen können. In einer Studie, die 2006 im Journal of Pharmacology veröffentlicht wurde, bewies WIN 55,212-2 seine Fähigkeit, die gesamten Anfallaktivitäten vollständig zu unterdrücken, auch die verlängerten Anfälle, die als Status epilepticus bezeichnet werden.

Die Studie wies weiterhin darauf hin, dass WIN 55,212-2 bei der Unterdrückung des Status epilepticus eine signifikant bessere Wirkung als Phenytoin und Phenobarbital zeigt.

 

CBD bei Epilepsie Kompakt FAQ:

An dieser Stelle möchten wir noch einmal ganz kurz die wichtigsten Hard Facts zu Cannabidiol Öl auflisten:

-) Cannabidiol besitzt antiepilepitsche und neuroprotektive  Eigenschaften 

-)  Anwendungsgebiet bei verschiedenen Formen von Epilepsie

-) Bereits häufig verschrieben in USA und EU

-) Wiederherstellung des Natrium-Flusses

-) Sehr gute Verträglichkeit 

-) Dosierung zw. 150 und 800mg bei Erwachsenen

-) 2 bis 25 mg pro kg  Körpergewicht für Kinder

-) Deutliche Reduzierung von Krampfanfällen 

-) CBD verbessert den Schlaf, die Wachheit und die Stimmung 

- ) Verbesserung von Verhalten, Wachheit, Sprache, Kommunikation, motorischen Fähigkeiten

-) Nach nur vier Wochen Senkung der Anfallshäufigkeit 

-) Epilepsie-Gesellschaft Philadelphia unterstreicht Sicherheit und Wirksamkeit von CBD

 

Weiterführende Literatur

Arge Canna (2016): Cannabidiol. Hoffnung bei kindlicher Epilepisie, in: http://arge-canna.at/haeufige-wirkung-und-behoerdliche-ignoranz-2/

Grothenhermen, F./ Berger, M./ Gebhardt Kathrin (2015): Canabidiol.CBD.Ein cannabishaltiges Compendium, Nachtschattenverlag AG, Solothurn (erhältlich unter www.hempcare.at)

Hütterer, Christine (2017): Cannabis bei Epilepsie, in https://www.leafly.de/cannabis-bei-epilepsie/

Universitätsklinikum Freiburg (2018): Cannabis und Epilepsien, in https://www.uniklinik-freiburg.de/epilepsie/ueber-epilepsie/cannabis-und-epilepsien.html